Die ersten Stunden – Zeit zum Begreifen
Wenn ein Mensch stirbt, bleibt die Zeit für einen Moment stehen. Vieles fühlt sich plötzlich unwirklich an und niemand kann wirklich auf diesen Augenblick vorbereitet sein. In den ersten Stunden muss noch nicht alles entschieden werden.
Der erste Schritt kann ganz unterschiedlich aussehen
Wenn Sie mich anrufen, schauen wir zunächst gemeinsam, was jetzt ansteht und was Sie brauchen. Manchmal komme ich zu Ihnen nach Hause, ins Hospiz oder Pflegeheim und wir verbringen noch Zeit beim verstorbenen Menschen. Manchmal treffen wir uns zuerst in meinem Büro und sprechen dort in Ruhe über die nächsten Schritte.
Es gibt dafür keinen besseren oder richtigeren Weg. Manche Menschen möchten noch ganz nah sein und etwas tun. Andere brauchen zunächst Abstand, ein Gespräch und ein wenig Orientierung.
Wenn noch Zeit miteinander ist
Wenn Sie noch beim verstorbenen Menschen sind, muss zunächst gar nicht viel geschehen. Ein Fenster öffnen, damit frische Luft hereinkommt. Eine Kerze anzünden. Leise Musik spielen. Eine Hand halten oder einfach nur gemeinsam im Raum sein.
| HERZ |
Eile und Hektik herausnehmen · Fenster öffnen · Kerzen anzünden ·
Musik hören · Lieblingsblumen holen
| MUT |
Lieblingskleidung anziehen · Fotos machen · eine Haarsträhne sichern ·
berühren · anschauen · Hände eincremen
Es beginnt die letzte Zeit mit einem lieben Menschen. Den Tod im wahrsten Sinne be*greifen.
Noch einmal ganz der Mensch sein
Ein Krankenhaushemd oder Nachthemd erzählt selten etwas von dem Menschen, der darin liegt. Wenn es sich für Sie richtig anfühlt, können wir gemeinsam vertraute Kleidung auswählen: eine Bluse, die schon viele Sommer gesehen hat, ein Lieblingshemd oder etwas, das zu diesem Menschen einfach gehört.
Vielleicht kämmen wir die Haare, cremen die Hände ein oder tragen einen vertrauten Duft auf. Solche Gesten können zu einem stillen Ritual werden. Sie geben die Möglichkeit, noch einmal etwas zu tun und dem verstorbenen Menschen mit Nähe und Würde zu begegnen.
Geschichten, Berührung und Stille
In diesen Momenten höre ich oft Geschichten. Kleine Anekdoten, Erinnerungen oder ein Lied, das plötzlich unbedingt gespielt werden muss. Und manchmal entsteht dadurch für einen Augenblick wieder ein sehr lebendiges Bild dieses Menschen – jenseits von Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder den letzten schweren Tagen.
Aber es muss nichts gestaltet werden. Manche Angehörige möchten einfach nur sitzen, schauen, eine Hand halten und still sein. Auch das ist Abschied.
Und manches kann auch später geschehen. Ein bewusstes Einkleiden, eine Berührung, eine Haarsträhne, ein Foto oder ein letzter Gruß müssen nicht alle in diesen ersten Stunden stattfinden.
Auch die Abholung darf ihren eigenen Rhythmus haben
Irgendwann kommt der Moment der Abholung. Für viele Angehörige ist gerade dieser Augenblick besonders intensiv. Auch hier muss nichts hastig geschehen.
Vielleicht möchten Sie dabei sein. Vielleicht soll noch jemand kommen, um sich zu verabschieden. Vielleicht möchten Sie noch einen Moment allein miteinander verbringen. Wir besprechen gemeinsam, was sich für Sie richtig anfühlt.
Nicht jeder Abschied beginnt am selben Ort
Nicht immer beginnt meine Begleitung beim verstorbenen Menschen. Vielleicht ist eine Abschiednahme dort nicht gewünscht, nicht möglich oder für Sie im Moment einfach nicht das Richtige.
Dann treffen wir uns zuerst in meinem Büro. Wir sortieren gemeinsam, was geschehen ist, klären, was jetzt notwendig ist und was noch Zeit haben darf. Auch ein späterer Abschied am Sarg kann dabei eine Möglichkeit sein – wenn Sie das möchten.
Ihr Tempo ist mein Tempo.
